Presseschau des Tages // 17.8.2021

· Pressestimmen

Der Sozialverband VdK fordert flexible Lösungen beim Renteneintrittsalter. "Wer etwa ein Leben lang in körperlich und psychisch anstrengenden Berufen gearbeitet hat, muss früher in Rente gehen können, und zwar ohne Abschläge auch schon mit 63", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Montag in Berlin. Sie äußerte sich bei der Vorstellung einer Studie des DIW Berlin zur Lebenserwartung verschiedener Berufs- und Einkommensgruppen. Dabei warnte Bentele vor einer pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters. Dies würde die soziale Spaltung in der älteren Bevölkerung weiter verschärfen und zu noch mehr Altersarmut führen, so Bentele.

Die Studie des DIW Berlin zeigt unter anderem, dass die Lebenserwartung von Arbeitern im Vergleich etwa zu Beamten rund vier Jahre geringer ist. Auch die berufliche Belastung wirkt sich demnach auf die Lebenserwartung aus: Rentner, die in Berufen mit hoher Belastung gearbeitet haben, leben statistisch drei Jahre kürzer. Auch beim Haushaltseinkommen zeigte die Studie deutliche Unterschiede: Rentner aus Haushalten mit prekären Einkommen haben demnach eine deutlich geringere Lebenserwartung im Vergleich zu wohlhabenden Haushalten. So lebten ärmere Rentner statistisch fünf Jahre kürzer als reichere.

Der VdK wertete die Studie als Beleg dafür, dass die verschiedenen Altersvorsorgesysteme in Deutschland ungerecht seien. Geringverdienende Menschen, die in körperlich und psychisch belastenden Berufen arbeiten, seien im Alter deutlich schlechter gestellt, kritisierte Bentele. "Wird das Renteneintrittsalter erhöht, benachteiligt sie das doppelt: Zum einen, bekommen sie deutlich geringere Renten; zum anderen, beziehen sie diese aufgrund ihrer geringeren Lebenserwartung erheblich kürzer."

Ungerecht ist nach Einschätzung des VdK auch, dass Menschen, die über die gesetzliche Rentenversicherung vorsorgen, im Alter deutlich schlechter gestellt seien als Beamte. Das ließe sich nur mit einer grundlegenden Reform des gegenwärtigen Systems beseitigen. Alle Erwerbstätigen müssten einzahlen - auch Politiker und Beamte. Nur so ließe sich auf Dauer die gesetzliche Rentenversicherung stabilisieren und die soziale Spaltung bekämpfen. Zudem fordert der VdK, geringe Renten von langjährig Versicherten aufzuwerten. "Die Einführung der Grundrente war ein erster, noch unvollkommener Schritt, der aber nicht ausreicht: Sie muss einfacher und deutlich höher sein", sagte Bentele. (KNA)