Presseschau des Tages // 27.3.2018

· Pressestimmen

Von dem geplanten Baukindergeld der großen Koalition werden vor allem besser verdienende Familien profitieren. Die Bundesregierung rechnet mit etwa 200 000 anspruchsberechtigten Familien mit 300 000 Kindern, ergab eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Da eine Voraussetzung ist, dass Familien ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises aufbringen müssen, könnten am Ende nur die reichsten 30 Prozent der Paare mit Kindern in Deutschland profitieren. In der Gruppe der Mieter oder Alleinerziehenden treffe dies nur auf die obersten zehn Prozent zu. Die Bundesregierung will bis 2021 zwei Milliarden Euro bereitstellen, um den Kauf und Bau von Wohnungen zu finanzieren.

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne), plädiert für eine vom Gebot der Nächstenliebe inspirierte Flüchtlingspolitik. "Dass auch der Fremde der Nächste ist, ist ein Kernsatz des Christentums", schreibt er in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Montag). "Und so verbindet eine vom Gebot der Nächstenliebe inspirierte Flüchtlings- und Integrationspolitik die Hinwendung zum anderen mit einer Hinwendung zu uns selbst." Das eine bedinge das andere. "Nur wenn wir auch auf uns selbst achten und unsere Kräfte richtig einschätzen und einteilen, können wir dauerhaft für andere da sein", so Kretschmann. Daher müsse am Grundrecht auf Asyl festgehalten werden. "Aber wir ignorieren auch nicht die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft." Nicht alle Menschen, die nach Deutschland kämen, dürften auch bleiben.  Grundlage für das Zusammenleben sei das Grundgesetz. "Es gilt für alle", betonte der Grünen-Politiker. Unter anderem aus dem Geist der jüdisch-christlichen Tradition und dem Gedanken der Aufklärung heraus gelte es, "das Neue zu gestalten". Dabei sei der "Wertehorizont vor allem ein europäischer".

Arbeitnehmer leiden psychisch unter einer großen Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort. Das geht aus einer Fehlzeitenanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Demnach liegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei denjenigen, die maximal zehn Kilometer Weckstrecke zurücklegen müssen. Bei AOK-versicherten Beschäftigten mit einer Entfernung von maximal zehn Kilometern zum Arbeitsplatz hat es laut Bericht im vergangenen Jahr elf Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder aufgrund psychischer Erkrankungen gegeben. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern seien es zwölf, bei mehr als 500 Kilometern zur Arbeit seien es 12,6 Fälle gewesen. Bei einer Verkürzung der Wegstrecke stiegen die psychisch bedingten Fehlzeiten unterdurchschnittlich, eine Verlängerung erhöhe sie überdurchschnittlich. Am größten sei der Anstieg der Fehltage in der Gruppe der Arbeitnehmer gewesen, die nach einem Wohnortwechsel mehr als 50 Kilometer zur Arbeit fahren müssten. "Es lohnt sich, wenn Beschäftigte ihren Arbeitsweg verkürzen oder Arbeitgeber ihre Mitarbeiter beispielsweise bei der Wohnungssuche vor Ort unterstützen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des WidO, Helmut Schröder. (Familienbund der Katholiken/Sascha Nicolai)