Presseschau des Tages // 18.3.2020

· Pressestimmen

 

Frauen- und Sozialverbände führen den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen vor allem auf die hauptsächlich von Frauen geleistete unbezahlte Arbeit in den Familien zurück. „Wir brauchen politische Maßnahmen, die eine partnerschaftliche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit unterstützen, Männer in die Verantwortung nehmen und Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit fördern“, erklärte die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Mona Küppers, anlässlich des Equal Pay Days am Dienstag in Berlin. Im Schnitt kümmerten sich Frauen jeden Tag knapp 90 Minuten länger um Haushalt, Kinder und Pflege als Männer. Frauen steckten ihre Interessen zurück und blieben beruflich auf der Strecke, sagte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik des evangelischen Wohlfahrtverbandes Diakonie. Sie forderte eine Anerkennung der sogenannten Care-Arbeit, um Frauen, die wegen der Pflege von Kindern und Verwandten beruflich kürzer treten, auch im Alter abzusichern. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verwies im ARD-Morgenmagazin auf strukturelle Benachteiligungen für Frauen in Deutschland. Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) erklärte, dass es sich um ein strukturelles Problem handele, das Frauen massiv diskriminiere. Die kfd forderte mehr Engagement für eine Angleichung der Einkünfte von Männer und Frauen. Die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion, Susanne Ferschl, sieht Probleme wegen der Corona-Krise, weil es wohl vor allem Frauen seien, die vor der Aufgabe stünden, die Betreuung ihrer Kinder aufgrund der flächendeckenden Kita- und Schulschließungen zu organisieren. „Hier braucht es dringend schnelle und unbürokratische Hilfe in Form einer Entgeltfortzahlung für die betroffenen Eltern analog zur Regelung im Krankheitsfall“, forderte Ferschl. Die Corona-Krise entwickele sich für viele freiberuflich arbeitende Frauen in den Medien zu einer existenzbedrohenden Finanzkrise, erklärte der Journalistinnenbund. Der Verein forderte deswegen freiberufliche Beschäftigte in Medienberufen bei den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung mitzuberücksichtigen. Das Statistische Bundesamt hatte am Montag in Wiesbaden die aktuellsten Zahlen zum Gender Pay Gap veröffentlicht. Der Verdienstunterschied lag demnach um 1 Prozentpunkt geringer als in den Vorjahren. Frauen verdienten mit durchschnittlich 17,72 Euro brutto in der Stunde 4,44 Euro weniger als Männer (22,16 Euro). Der Gender Pay Gap verschleiert laut der Bertelsmann Stiftung jedoch, wie groß die Kluft zwischen Männern und Frauen beim Einkommen tatsächlich ist, da er lediglich die Differenz in den Bruttostundenlöhnen abbildet. Die Ungleichheit im gesamten Erwerbsleben könne er nicht aufzeigen. Laut einer Studie der Stiftung verdienen Frauen im gesamten Erwerbsleben nur etwa halb so viel wie Männer. Kinder führen der Studie zufolge zu einer deutlichen Minderung der Lebenserwerbseinkommen von Müttern, während sie sich auf das Einkommen der Väter kaum auswirken. (Familienbund der Katholiken/Sascha Nicolai/KNA)