Presseschau des Tages // 10.11.2020

· Pressestimmen

Zwei wissenschaftliche Übersichtsstudien mit Daten aus 18 europäischen Staaten finden keine Hinweise auf wachsende Demokratiemüdigkeit oder steigende Beliebtheit autoritärer Staatsformen. "Dass sich die Menschen reihenweise von der Demokratie abwenden, ist ein Mythos. Von einer Demokratie ohne Demokraten sind wir weit entfernt", sagte Alexander Wuttke von der Universität Mannheim am Montag. Alle verfügbaren Zahlen deuteten darauf hin, "dass die Menschen in überwiegender Mehrzahl weiterhin von diesem System überzeugt sind".

Im Untersuchungszeitraum zwischen 1981 und 2018 sei die Unterstützung für die Demokratie als beste Staatsform auf konstant hohem Niveau geblieben, so die Forscher. In Deutschland befürworteten beispielsweise 98 Prozent der Bürger das demokratische System. Auch zwischen den Generationen ließen sich keine Unterschiede feststellen. Die Studienautoren wandten sich damit gegen Vorurteile, wonach die junge Generation die Demokratie nicht wertzuschätzen weiß, weil für sie freie Wahlen selbstverständlich seien.

Ändernde Zustimmungswerte beobachteten die Wissenschaftler beim Vertrauen in demokratische Institutionen, etwa in das Parlament. Auch hier gebe es aber keinen "Abwärtstrend", sondern Auf-und-Ab-Bewegungen. Studienautor Harald Schoen sprach von einer "anhaltend starken Unterstützung der Bevölkerung" und einem guten Zeichen für die Stabilität der Demokratie. Damit ein demokratisches System dauerhaft bestehen kann, komme es letztlich auf die Bereitschaft der Bürger an, "im Zweifelsfall der Einhaltung demokratischer Prinzipien den Vorrang vor parteipolitischen Vorlieben und anderen Eigeninteressen einzuräumen".

Für die in den Fachzeitschriften "British Journal of Political Science" und "Research and Politics" erschienenen Studien werteten die Mannheimer Forscher europaweit erhobene Daten aus, die vor allem aus dem "European Values Survey" stammen. Unter den 18 ausgewerteten Ländern waren etwa Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien, Slowenien, Norwegen und Ungarn. (Familienbund der Katholiken/KNA)